50 Jahre Städtepartnetschaft mit Chatenay-MalabryEin Gruss der SPD Bergneustadt

 

An die

Stadt Bergneustadt                                                   Stadt Châtenay-Malabry
Herrn Bürgermeister Wilfried Holberg                       Monsieur le maire Georges Siffredi
Kölner Straße 256                                                     Mairie
51702 Bergneustadt                                                  26 Rue du Dr le Savoureux
                                                                                   F 92290 Châtenay-Malabry

 

                                                                                                                                  06.Oktober 2017

 

50 Jahre Partnerschaft / 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Monsieur le maire,

 

Fünf Jahrzehnte Städte-Partnerschaft, deutsch-französische Freundschaft und ungezählte Begegnungen zwischen 1967 und 2017 sind in der Geschichte der Menschheit eine Momentaufnahme; in unserer persönlichen Erlebnisgeschichte jedoch eine lange und auch denkwürdige Zeit.

 

Zu diesem Jubiläum gratuliert Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern Ihrer Stadt die Bergneustädter SPD ganz herzlich!

 

Gerade vor dem Hintergrund vieler kriegerischen Auseinandersetzungen mit einem nie gekannten Ausmaß an Toten, Verletzten, Vermissten und geschundenen Seelen unserer Nationen, zuletzt noch vor gerade sieben Jahrzehnten ist der Wert eines friedlichen Zusammenlebens zweier Länder in einem weitgehend geeinten Europa gar nicht hoch genug einzuschätzen.

 

Zum gegenseitigen Verständnis gehören einfache Begegnungen, langjährige Freundschaften zwischen den Menschen unserer Städte, Vereinsbesuche, Schüleraustausch mit insgesamt 4.000 Teilnehmern, Praktika, Arbeitsaufenthalte und sogar Ehen, sie sind und bleiben das Fundament einer friedlichen Zukunft für unsere Nationen in einem Europa der Völkerfreundschaften.

Denn gerade in der jetzigen Zeit sind Friedensbotschaften und Beispiele für normales Zusammenleben auf der Basis wechselseitigen Respekts, frei von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus die wichtige Botschaft und Grundlage für eine friedlichere Welt.

 

Vor diesem Hintergrund ist es bedauerlich, dass unsere „50 jährige Ehe“ etwas beschaulicher geworden ist und nicht mehr von so vielen Aktivitäten lebt wie in manchen Jahren zuvor.

Wegweiser nach Bergneustadt

Nicht verschweigen wollen wir aber auch in unserem Geburtstagsglückwunschschreiben die alarmierenden Zeichen gesellschaftlicher Bedrohungen durch den immer offener zutage tretenden Rechtsradikalismus in beiden Ländern. Unter dem Deckmantel der Demokratie treten Parteien mit unerträglichen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und immer deutlich werdenden Rassismus auf, so als hätte es die „Totengräber der Demokratie“ in der Zeit vor und während des Nationalsozialismus in unseren Ländern nie gegeben.

 

In diesem Zusammenhang wollen wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten aus Bergneustadt natürlich mit Respekt aber auch mit Stolz daran erinnern, dass die Entscheidung für die Partnerschaft mit Châtenay-Malabry vor und in 1967 nicht zuletzt deshalb zustande gekommen war, weil Châtenay-Malabry eine nicht unbedeutende Rolle im Widerstand gegen die NS-Diktatur gespielt hat.

 

Dozenten der örtlichen Heimvolkshochschule der Friedrich-Ebert-Stiftung hatten die späteren Bergneustädter Bürgermeister Horst Schalenbach und Herbert Heidtmann, die zu dieser Zeit Stadtverordnete waren, darauf aufmerksam gemacht, dass Châtenay-Malabry von 1939 bis 1940 Zufluchtsort des vor den Nazis aus Prag geflohenen Exilvorstands der SPD war und zwei von ihnen auf dem Friedhof der französischen Partnerstadt begraben sind.

Der damalige Bürgermeister von Châtenay-Malabry, Jean Longuet, hatte die Flüchtenden mit ihren Familien bei Bürgerinnen und Bürgern im Wohnviertel „Butte Rouge“ untergebracht bevor sie mit ihm, nachdem die deutsche Armee den Osten von Paris erreicht hatte, weiter ins Exil nach London flohen.

 

Otto Wels, der Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD, der in der letzten „freien“ Rede des Reichstages am 23. März 1933, die in die Geschichtsbücher eingegangene Rede gegen die Ermächtigungsgesetze Hitlers mit den berühmt gewordenen Worten „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, (aber) die Ehre nicht“ gehalten hatte, starb dort an den Entbehrungen der Flucht und wurde in Châtenay-Malabry auf den Friedhof beigesetzt ebenso wie Sigmund Crummenerl, der Kassierer des Exil-Vorstands, der sich nach dem Einmarsch der Soldaten vor Verzweiflung aus großer Höhe in den Tod stürzte.

 

Die renovierte Grabstätte wurde übrigens im Jahr 1983 aus Anlass des 50. Jahrestages der zitierten Rede in Châtenay-Malabry in Anwesenheit des französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand und NRW Ministerpräsident Johannes Rau mit den berühmten Otto-Wels-Satz auf dem Grabstein „eingeweiht“. Die ARD übertrug den Festakt seinerzeit; und der Unterzeichner persönlich erinnert sich heute noch mit Genugtuung daran den Anstoß dazu im nordrhein-westfälischen SPD-Landesvorstand gegeben zu haben, was unweigerlich dann auch die Vorbereitungsarbeiten und Mithilfe zu der Veranstaltung nach sich zog.

Das Erinnern und somit Lernen aus der Geschichte ist für die Bergneustädter SPD ein zentrales Anliegen.

 

Für ebenso besonders erwähnenswert halten wir aber auch im Rückblick auf 50 Jahre Städtepartnerschaft die gemeinsam 1980/1981 entwickelte Idee und dann die konkrete Umsetzung eines damals sogenannte „Dritte-Welt-Projekts“ von Châtenay-Malabry und Bergneustadt unter Einbeziehung der holländischen Partnergemeinde Landsmeer. Dabei wurde jährlich finanziell und ideell ein zuvor gemeinsam diskutiertes und dann umgesetztes konkretes Hilfsprojekt in einem Entwicklungsland gefördert. Dazu flossen neben Spenden Gelder aus drei Kommunen. Die Idee fand europaweit viele Nachahmer und dokumentierte so eine starke inhaltliche Variante unserer Städtepartnerschaft.

 

Abschließen wollen wir den Glückwunsch an Sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister, auch mit dem Dank an die vielen „Macherinnen“ und „Macher“ der Partnerschaft verbinden, namentlich den jeweiligen Partnerschaftsbeauftragten, die oft den Hauptteil der Arbeit leisteten.

 

Möge die Tradition der vielen positiven Elemente einer gelebten Partnerschaft auch in Zukunft fortgesetzt werden!

Deshalb schließen wir mit dem Satz des französischen Philosophen Jean Jaures: „Tradition heißt nicht Asche verbrennen, sondern die Flamme am Lodern zu halten!“ 


Mit hochachtungsvollen sowie freundschaftlichen Grüßen

Im Namen der SPD Bergneustadt

 

gez. Friedhelm Julius Beucher

1. Vorsitzender

 

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